Internationales Trabantfahrertreffen in Zwickau (Sachsen). Treffpunkt für DDR-Nostalgische. Foto: dpa

„Religion ist etwas für Träumer“

Die zehn sozialen Milieus: Herausforderung für die Kirche – Zehnter und letzter Teil: DDR-Nostalgische

Von Michael Dorndorf

Das Heidelberger Sinus-Institut hat im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz die zehn sozialen Milieus auf ihr religiöses Interesse hin untersucht. In Teil 10 der „Paulinus-Serie“: das Milieu der DDR-Nostalgischen.

Laut Milieu-Studie sehen sich DDR-Nostalgische als „Verlierer der Wende“, die zugleich alte Werte des Sozialismus wie soziale Gerechtigkeit und Solidarität betonten, aber ebenso Kritik am „Turbo-Kapitalismus“ äußerten wie an der Globalisierung. Das lässt sie in die „innere Emigration“ abwandern, wo sie Disziplin, Fleiß, Ordnung und Pünktlichkeit pflegen. Ihr Anteil an der Bevölkerung macht im Westen Deutschlands 1,7 Prozent aus, im Osten 22,2 Prozent. Der Altersschwerpunkt liegt um 45 Jahre. Aus dem Gefühl heraus, nicht mehr gebraucht zu werden, pflegen DDR-Nostalgische eine aktive Freizeitgestaltung; sie engagieren sich in Vereinen und in der lokalen Politik. Ihre Sprache sei nüchtern und ungeschminkt sachlich, aber auch sarkastisch, hebt das Milieu-Handbuch (vgl. Artikel im „Paulinus“ Nr. 13 vom 2. April 2006, Seite 16) hervor. Weltanschauungen stehen für diese Gruppe unter dem Generalverdacht, Menschen im Handeln und Denken zu verführen. „Ich lehne alles ab, was mit Massenzwang zusammenhängt. Religion ist etwas für Träumer“, zitiert die Studie einen 51-Jährigen. Folglich spielt Religion kaum eine Rolle. Dieses Milieu hat keine Wünsche und Erwartungen an die Kirche.

Kirche soll bescheiden auftreten

Die Kirche könnte versuchen, Lebenshilfe zu geben, auch wieder Selbstbewusstsein und Identität, empfiehlt die Milieu-Studie. Es gelte, Angebote zu entwickeln, „die an der Kleingruppen-Affinität von Gleichgesinnten“ anknüpfen und das Wir-Gefühl ansprechen. „Machern“ in der Kirche rät die Studie: „Bescheiden auftreten, auf Prunk verzichten.“