Traditionsverwurzelte sind regelmäßige Wallfahrer. Foto: dpa
„Sonntags ohne Messe geht nicht!“
Zehn soziale Milieus – Teil 7: Traditionsverwurzelte
Das Heidelberger Sinus-Institut hat im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz die zehn sozialen Milieus auf ihr religiöses Interesse hin untersucht. In Teil 7 der „Paulinus“-Serie: das Milieu der Traditionsverwurzelten.
Der „Status quo“ ist für Traditionsverwurzelte die wichtigste Orientierung. „In geordneten Verhältnissen leben, den hart erarbeiteten Lebensstandard bewahren, ein gutes Auskommen haben, den Ruhestand genießen“, beschreibt das Milieu-Handbuch (vgl. Artikel im „Paulinus“ Nr. 13 vom 2. April 2006, Seite 16) die Zielvorstellungen dieser Gruppe, deren Altersschwerpunkt bei 60 Jahren liegt. Es ist vor allem die Kriegsgeneration mit einem hohen Anteil von Rentnern und Pensionären, die dieses Milieu prägt.
Für den Pfarrgemeinderat, die Arbeiterwohlfahrt oder den Kolpingverband sind sie unverzichtbare Stütze. Die Kirchenbindung ist in diesem Milieu am stärksten – vor allem im ländlichen Raum. Ausdruck dafür ist für diese Vertreter der „Volkskirche“ ein überdurchschnittlich hohes Engagement in der Kirchengemeinde; eine besondere Verehrung der Gottesmutter zeichnet sie ebenso aus wie die regelmäßige Teilnahme an Wallfahrten. Verlässlich kann die Kirche auch auf ihre Spendenbereitschaft bauen. Letztlich gründet ihre Hilfsbereitschaft in der Überzeugung, dass das Leben des Menschen eingebettet ist in die gute Ordnung und den Plan Gottes, woraus sie die Verpflichtung zum Danke-Sagen durch Taten der Nächstenliebe ableiten. Die Glaubenssätze der Kirche gelten ihnen als wahr und verbindlich; dazu gehört die Akzeptanz der kirchlichen Hierarchie; der Papst ist Oberhaupt der Kirche. „Sonntags ohne Messe geht nicht!“, zitiert die Milieu-Studie einen typischen Traditionsverwurzelten.
In seiner Expertise befindet das Sinus-Institut: „Traditionsverwurzelte wollen mehr Lebendigkeit im Gottesdienst und in der Gemeinde, sind aber zögerlich, dies selbst zu initiieren. Wenn man sie gezielt anspricht, eine Aufgabe zu übernehmen, sind sie dazu oft gern bereit.“ Die jüngeren Generationen der Traditionsverwurzelten finden Lebendigkeit primär bei Wallfahrten und Pilgerreisen. „Die katholische Kirche sollte diese Affinität verstärkt ausbauen, in den Ortsgemeinden vermitteln und durch Werbematerialien illustrieren“, empfiehlt die Milieu-Studie. Michael Dorndorf