Gute Musik hören, insbesondere Klassik: Das gehört zur elitären Welt des konservativen Milieus. Foto: dpa

Fels in der Brandung

Die zehn sozialen Milieus: Herausforderung für die Kirche – Teil 6: Konservative

Von Michael Dorndorf

Das Heidelberger Sinus-Institut hat im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz die zehn sozialen Milieus auf ihr religiöses Interesse hin untersucht. In Teil 6 der „Paulinus“-Serie: das Milieu der Konservativen.

Sie treten ein für die Bewahrung von Werten, von Traditionen und Institutionen. Wichtig ist ihnen ein „humanistisch geprägtes Pflicht-Ethos und gesellschaftliches Verantwortungsgefühl, das unter dem ‚Verfall der Werte und guten Sitten‘ leidet“, hebt das „Milieu-Handbuch“ (vgl. Artikel im „Paulinus“ Nr. 13 vom 2. April 2006, Seite 16) hervor. Etwa drei Viertel der Konservativen sind dieser Untersuchung zufolge über 50 Jahre alt, zumeist akademisch gebildet und sehr vermögend.

Auf Distanz zum Zeitgeist

Ihr Lebensstil ist geprägt von der Distanz zum Zeitgeist und zu modisch-aktuellen Entwicklungen weltanschaulicher Art. Auch lehnen sie die Welt des oberflächlichen Konsums, der Mode und der Werbung ab. Sie sind ihrem Selbstverständnis nach „Pfeiler einer harmonischen und guten Gesellschaft“. Dafür sind sie auch bereit, sich einzusetzen: Kennzeichnend ist ihr hohes Engagement in Vereinen und Verbänden; ehrenamtliche Aufgaben übernehmen sie gern. „Wir versuchen das, was die Eltern geschaffen haben, an unsere Kinder und ihre Familie weiterzugeben, sowohl die Werte, als auch dieses Eigentum“, zitiert die Milieu-Studie einen typischen Konservativen. Vom Christentum als Fundament unserer Zivilisation und unseres Wertesystems sind sie überzeugt; ohne dieses Fundament würde die soziale Ordnung und Orientierung zusammenbrechen. Folglich wäre das Leben ohne Gott sinnlos; alle gottlosen Sinnkonstruktionen erwiesen sich letztlich als unhaltbar, ist ihre Auffassung. Katholische Konservative vertreten im Allgemeinen einen kompromisslosen Katholizismus: keine Frauen in Kirchenämtern oder in liturgischen Gewändern, Bewahrung des Zölibats. Der Papst ist für sie Integrationsfigur und Patriarch der katholischen Familie „in den Stürmen der Moderne“. Kirche als Bollwerk und Fels in der Brandung. Deshalb erwarten sie von der Kirche Orientierung und Lebenshilfe; die gesellschaftliche Entwicklung sollte sie kritisch kommentieren, aber sich aus der Politik heraushalten. In seiner Expertise hebt das Sinus-Institut hervor: „Auch erzkatholische Konservative beklagen altbackene, oft alte, aber zum Teil auch junge Priester, die sich nur an den liturgischen Ritus und ihre Routinen klammern, aber wenig Lebendigkeit, Intellekt und Schöngeistiges in den Gottesdienst tragen“.

Kommunikationstraining für Priester anbieten

Hier sollte in der Priesterausbildung und mit kontinuierlicher Weiterbildung angesetzt werden. Es wird empfohlen, professionelles Kommunikationstraining für Priester anzubieten sowie Veranstaltungen und Workshops über die typische Lebenswelt und den Horizont der Gemeindemitglieder unter Berücksichtigung von Werten, Lebensstilen und Interessen.