Winfried Heidrich: Verletzte transportiert man auf solchen Pritschen nur mit schlechtem Gewissen. Fotos: Burr
Dank der guten Wartung sehen auch 20 Jahre alte Rettungswagen äußerlich noch sehr gepflegt aus.

Nichts als leere Versprechungen

Der Malteser Hilfsdienst klagt an: Wegen unserer veralteten Ausstattung können wir im Ernstfall nur unzureichend helfen

Von Claudia Heinen

Es ist eine Katastrophe mit dem Katastrophenschutz. Hilfsorganisationen wie der Malteser Hilfsdienst (MHD) weisen immer wieder darauf hin, dass sie im Ernstfall nur unzureichend helfen können. Ein Beispiel für viele: die veraltete Ausstattung der Mal-teser-Ortsgliederung in Trier-Irsch.

Bei der diesjährigen MHD-Bundesversammlung brachte es Generalsekretär Heinz Himmels auf den Punkt: „Die Ereignisse des 11. September 2001 scheinen langfristig ohne Konsequenzen zu bleiben. Wie ist es sonst zu erklären, dass auch ein Jahr danach die Lage des Katastrophenschutzes in Deutschland noch immer so mangelhaft ist?“ Man muss noch nicht einmal an Terroranschläge denken – selbst reine Naturkatastrophen wie die diesjährigen Überflutungen hätten eigentlich jedem vor Augen führen müssen, wie wichtig ein gut funktionierender Katastrophenschutz für unser Land ist.

Seit vielen Jahren Rufer in der Wüste

„Die Malteser sind schon seit vielen Jahren Rufer in der Wüste. Wir haben zwar genügend Leute und auch guten Willen, allerdings fehlt uns einfach die notwendige Ausstattung. Der Staat muss nun endlich aktiv werden“, forderte Himmels.

„Es ist schlichtweg deprimierend, mit welcher Gleichgültigkeit man uns und unseren Minimalforderungen begegnet“, stellt auch Winfried Heidrich enttäuscht fest. Seit knapp 35 Jahren opfert er einen Großteil seiner Freizeit, um sich in der Ortsgliederung Trier-Irsch des MHD als ehrenamtlicher Zug- und Geschäftsführer zu engagieren. Diese Ortsgliederung ist zugleich die MHD-Gründungsgliederung in der Diözese Trier und stellt seit 1957 bei Bedarf Sanitäts-, Betreuungs- und Verpflegungseinheiten zur Verfügung. So fordert die Stadt Trier beispielsweise regelmäßig Sanitätseinheiten bei Großveranstaltungen wie Altstadtfest oder Rosenmontagszug an. Das Tätigkeitsfeld des MHD Trier-Irsch umfasst aber darüber hinaus auch die Durchführung von Erste-Hilfe-Lehrgängen, die Begleitung von Hilfsgütertransporten in osteuropäische Länder und anderes mehr.

Kein wirksamer Schutz bei Katastrophen möglich

„Glücklicherweise sind unsere Aufgaben so vielfältig. Bestünde unsere Arbeit nämlich nur aus dem Katastrophenschutz, hätte – angesichts der desolaten Zustände – kein Ehrenamtler mehr Lust, sich einzubringen“, erklärt Heidrich. „Mit den finanziellen Mitteln, die uns augenblicklich zugestanden werden, können wir keinen ordnungsgemäßen Katastrophenschutz mehr leisten und der Bevölkerung damit auch keinen wirksamen Schutz mehr garantieren.“

So fehlen in Trier-Irsch unter anderem ausreichend Fahrzeuge. Die wenigen, die den Maltesern zur Verfügung stehen, sind im Schnitt schon über zehn Jahre alt und damit anfällig für technische Defekte. „Allein in der vergangenen Woche mussten wir drei unserer Autos in die Werkstatt geben, weil völlig überraschend Schäden aufgetreten waren. Hätte es in dieser Woche einen Großeinsatz gegeben, wäre der Ofen wohl schon von vornherein aus gewesen“, glaubt Heidrich.

Ausrüstungsgegenstände aus den 60er Jahren

Doch damit nicht genug: Auch anderes Großgerät und sogar die persönliche Ausrüstung der Helfer ist in vielen Fällen nicht komplett, schadhaft und/oder hoffnungslos überaltert. Manches stammt noch aus den 60er Jahren, muss jedoch weiterhin benutzt werden. Deshalb fordert Winfried Heidrich, „dass uns zumindest genügend Geld für die Finanzierung der Mindestausstattung gegeben wird. Aber das geschieht wohl erst, wenn endlich auch ganz klar geregelt wird, wie die Kosten auf Bund, Länder und Kommunen umgelegt werden müssen. Sonst schiebt nämlich weiterhin einer die Verantwortung auf den anderen, und unterm Strich zahlt keiner was – oder höchstens nur soviel, dass das eigene schlechte Gewissen beruhigt ist.“

In der Tat ist die öffentliche Hand für die Unterhaltung des Katastrophenschutzes zuständig. Dem Team um Zugführer Heidrich ist es allerdings inzwischen vollkommen egal, wer nun genau das Geld aufbringen muss, um die derzeitigen Finanzierungslücken zu schließen: „Hauptsache es tut sich endlich etwas!“

„Wir können von Glück sagen, dass wir bisher im Katastrophenschutz nur einen einzigen größeren Einsatz zu leisten hatten. Das war vor Jahren in Taben-Roth bei einem Zugunglück mit 40 Verletzten. Aber wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir hier in der Region permanent von einem enormen Gefahrenpotential umgeben sind, schließlich sind das Kraftwerk in Cattenom und die Airbase in Spangdahlem nicht weit entfernt. Es bräuchte auch nur mal ein Flugzeug in einem Waldstück abzustürzen. Wie sollen wir die Verletzten bergen, wenn unsere Fahrzeuge nicht geländegängig sind?“

Schon nach Ramstein wurde viel versprochen

Heidrich übertreibt nicht und wird sehr ernst, als er berichtet, wie er durch Zufall Zeuge der Flugzeugkatastrophe in Ramstein wurde und zusehen musste, wie die meisten Schwerverletzten in einfachen Pritschenwagen in die Krankenhäuser transportiert wurden. „Schon damals haben die Politiker viel geredet, aber nichts unternommen. Und genau dasselbe ist jetzt nach den Anschlägen des 11. September geschehen. Man hat uns viel versprochen, aber nichts zugewiesen“, bilanziert Heidrich. „Doch halt: Das Land hat uns ja neulich ein Zelt zukommen lassen!“, um sich gleich zu verbessern: „Ach, nein, das hatten wir ja selber schon einige Monate vorher ausdrücklich bestellt...“


Der Malteser Hilfsdienst ist mit 30 000 ehrenamtlichen und 3 700 hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie 800 000 Förderern einer der großen karitativen Dienstleister in Deutschland. Die katholische Hilfsorganisation ist als eingetragener Verein (e. V.) und gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung bundesweit an mehr als 600 Orten vertreten und entsprechend den Strukturen der katholischen Kirche in Diözesanverbände gegliedert. Seine Helferinnen und Helfer engagieren sich unter anderem im Katastrophenschutz und Sanitätsdienst. Informationen beim Malteser Hilfsdienst e. V., Generalsekretariat, Kalker Hauptstraße 22–24, 51103 Köln, Telefon (02 21) 98 22-01, Fax 98 22-3 99, E-Mail malteser@maltanet.de, Internet www.malteser.de. Im Bistum Trier: MHD-Diözesanverband, Thebäerstraße 44, 54292 Trier, Telefon (06 51) 1 46 48-0, Fax 1 46 48 48, E-Mail juergen.schmitt@maltanet.de.